Den Blick hoch hinaus richtet Stadtführer Ritsch Ermeier und präsentiert seine "Turm- und Türmerltour".

Wer in Mainburg nach oben blickt, bemerkt eine große Vielfalt an Türmen und Türmchen. Es gibt runde und spitze, hohe und unscheinbare Exemplare. Manche sind auf den ersten Blick zu erkennen, andere müssen erst entdeckt werden. Die Menschen bauten schon immer Türme, selbst die Bibel kennt den Turmbau zu Babel. Der scheiterte bekanntlich an zunehmenden Kommunikationsproblemen, doch heute baut man solide und repräsentativ. Die Mainburger Stadtführer bauen stets ihre Themenführungen aus und ergänzen damit ihr Tourenangebot. Nun bieten sie mit der „Turm- und Türmerltour“ eine ganz besondere Führung an, geeignet für Kinder wie für Erwachsene. Die Stadt durch Kinderaugen sehen Die Idee hatte das Vereinsmitglied Ritsch Ermeier, bekannt vor allem durch seine musikalischen Führungen. Doch auch seine Kinderführungen sind sehr beliebt. Ritsch Ermeier schob als junger Vater vor über zwanzig Jahren seinen kleinen Sohn durch das malerische Städtchen in der Hallertau. Der Kleine entdeckte beim Blick aus dem Kinderwagen nach oben eine Fülle an Türmen, Türmchen und Erkern, eines seiner ersten Wörter war gar „Turm“. Ritsch war beeindruckt und ging nun als Stadtführer erneut mit offenen Augen durch die Straßen. Er konzipierte aus diesen Erkenntnissen eine ganz und gar ungewöhnliche neue Tour. „Beim Blick nach oben offenbart Mainburg architektonische Details in unglaublicher Vielfalt“, befand der Musiker und Stadtführer. Seine „Turm- und Türmerltour“ zeigt auf unterhaltsame Weise die Kirchtürme, Brauerei- und Glockentürme. Die Stadtführung aus der Kinderwagenperspektive ist auch für die Eltern oder Großeltern neu und spannend, führt sie doch vom Turmbau zu Babel bis zur Rapunzel und von Zeugnissen des Glaubens bis zur Macht und Pracht der Brauereien. Kirchturm und Schlauchturm Der Kirchturm der Stadtpfarrkirche „Zu unserer lieben Frau“ ist mit 48 Metern der höchste in der Stadt. Von den höchsten Gebäuden der Welt, die derzeit in Dubai stehen, wird er damit freilich weit überragt. Aber in Mainburg ist der Kirchturm präsent. Allerdings wird er umrahmt von vielen anderen Türmen: „Vom Griesplatz aus sieht man gleich sieben auf einmal“, erklärte Ritsch Ermeier. Für seine Recherchen wälzte der Hobbyhistoriker zahlreiche Denkmallisten und interviewte einen, der es wissen muss: einen Spenglermeister. Die Fachinformationen fasste Ritsch kindgerecht und spannend zusammen. Menschen wollten schon immer mit Türmen zeigen, wie reich sie sind. Andere waren reine Zweckbauten, etwa zum Trocknen der Feuerwehrschläuche. Zahlreiche Bürgerhäuser um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert weisen zudem nette Türmchen auf. „Was heute der Pool ist, war damals ein Türmerl“, erklärte Ritsch lachend. Hopfendarren und Brauereien hatten Türme, aber auch Uhr- und Infopunkte wollen hoch hinaus. „Wir türmen“, ist als Spruch geläufig, und im Freibad wird ein neuer Sprungturm gebaut. Die Kleinen im Kinderwagen lauschten auf dieser Tour fröhlich und ausgelassen, die Eltern interessiert. Die Führung ist ideal für Eltern- und Kindgruppen, aber auch für neugierige Erwachsene. Mainburg kann zwar weder schiefe Türme wie in Italien noch Geschlechtertürme wie in Regensburg vorweisen, dennoch ist die Turmlandschaft der Hopfenstadt bemerkenswert. Teilnehmer der Führung erleben Mainburg bei der neuen Turm- und Türmerltour aus einer ganz neuen und anderen Perspektive.

Bericht von Claudia Erdenreich – Hallertauer Zeitung vom 8. März 2023
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